Literatur · Review

Dokumente der Wahrheit

Rezension:

Der Fotograf von Mauthausen

Graphic Novel von Pedro J. Colombo (Illustration) / Aintzane Landa (Kolorierung) / Salva Rubio (Szenario)

Inkl. historischem Dossier mit Beiträgen von Rosa Toran / Ralf Lechner / Gregor Holzinger / Daniel Simon

bahoe books, Wien 2019

ISBN 978-3-903290-00-6

Autorin: Raffaela Rogy

Quelle: Amazon

Die Graphic Novel „Der Fotograf von Mauthausen“ (Orig. „Le photograph de Mauthausen“) erzählt die wahre Geschichte von Francisco Boix, der wie 7000 weitere spanische Republikaner während des zweiten Weltkrieges von den Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert wurde. Gemäß dem Leitmotiv des KZ-Mauthausens „Vernichtung durch Arbeit“ muss der Katalane Boix anfangs im Granitwerk schuften. Francisco Boix, der vor seiner Deportation als Fotograf tätig war, gelingt es am Leben zu bleiben und wird schließlich zum Erkennungsdienst von Mauthausen unter SS-Hautptscharführer Paul Ricken befördert. Paul Ricken, der perversen Gefallen daran findet das Grauen im KZ zu fotografieren und den dort stattfindenden Mord an Häftlingen zur Kunstform erhebt, wird von seinem Assistenten Boix überlistet, der die zeugnishafte Bedeutung dieser Fotografien erkennt. Gemeinsam mit weiteren Häftlingen und einer Bewohnerin von Mauthausen schmuggelt Francisco zehntausende Fotos aus dem Lager. Nach der Befreiung wartet das französische Exil für Francisco Boix, der als einziger spanischer Zeuge bei den Nürnberger Prozessen aussagt.

„Der Fotograf von Mauthausen“ – in der deutschen Übersetzung von Leo Gürtler – schafft es mit jedem Strich und jedem Farbton eine Zeit der Finsternis und Unvorstellbarkeit auf das Papier zu bringen, die zugleich fesselt und nachdenklich stimmt. Trotz wenigen narrativen Freiheiten, die sich die Graphic Novel erlaubt, bleibt stets ein würdevoller Umgang (nicht zuletzt dank des angehängten Geschichtsdossiers) mit dem Zeitdokument rund um Francisco Boix bestehen. Die Beiträge des historischen Dossiers, die von Milena Merkač ins Deutsche übersetzt wurden, geben lesenswerte Einblicke in das Leben von Francisco Boix und dessen politisches Umfeld, in welchem dieser fotografiert und das Konzentrationslager als privilegierter Häftling überlebt hat. Zahlreiche abgebildete Fotografien von Boix, der u.a. auch die Résistance-Heldin Marie-Claude Vaillant-Couturier oder Pablo Picasso abgelichtet hat, unterstreichen ihren Einfluss auf die vorliegende Graphic Novel. „Der Fotograf von Mauthausen“ zeigt eindrucksvoll in Bildern die Wirkungskraft von Bildern und verweist auf die Bedeutsamkeit diese nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.  

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